Claude Code baut sich jetzt selbst um: Mods, Opus 5.5 und ein Puffer am Limit
Mods, Opus 5.5, Sonnet 5.5 und ein Puffer am Fünf-Stunden-Limit: Was in Claude Code neu ist und was das für deine Arbeit mit KI bedeutet.
Zwei Modelle in zehn Tagen, dazu die größte Erweiterung, die Claude Code bisher bekommen hat. Anthropic hat Anfang Oktober in seinem Newsletter zusammengefasst, was in den letzten zwei Wochen neu dazugekommen ist. Ich bin Frank Wingerath, digitaler Sparringspartner aus Hannover, arbeite selbst mit Claude Code, unter anderem an dieser Website, und habe mir die Neuerungen angesehen.
Hier bekommst du das Wichtigste im Klartext: was neu ist, was es dir bringt und welche Befehle du kennen solltest.
Mods: Claude Code passt sich an dich an
Die große Neuerung heißt Mods. Ein Mod ist eine kleine TypeScript-Funktion in einem Plugin, die sich direkt in Claude Code einklinkt. Damit lässt sich ziemlich viel anstellen:
- Werkzeugaufrufe anhalten oder umschreiben, bevor Claude sie ausführt
- eigene Anzeigen zeichnen, etwa eine Leiste über der Eingabezeile
- neue Befehle hinzufügen, die du sonst dutzendfach am Tag eintippst
- eingebaute Funktionen ersetzen, wenn sie dir anders lieber wären
Das Beste daran: Du musst den Mod nicht selbst schreiben. Du beschreibst, was du willst, und Claude baut ihn für dich.
Ein Beispiel aus dem Newsletter
Lydia vom Claude-Code-Team wollte ihre Kontextauslastung sehen, ohne jedes Mal /context aufzurufen. Also hat sie Claude sinngemäß gebeten:
„Bau mir einen Mod, der mein Kontextfenster als gestapelten Balken über der Eingabezeile zeigt, eine Farbe pro Kategorie wie bei /context, ein- und ausschaltbar mit /context-bar.“
Claude hat den Mod geschrieben, direkt in die laufende Sitzung geladen, und seitdem gibt es den neuen Befehl /context-bar.
Genau dafür sind Mods gedacht: für die Dinge, die dir fehlen, die aber zu speziell sind, als dass Anthropic sie für alle einbauen würde.
Was du brauchst: Mods laufen im Terminal und in der Desktop-App ab Version 2.1.287. Als Einstieg taugen die Beispiel-Mods auf GitHub. Die ausführliche Vorstellung steht im Blogbeitrag von Anthropic.
Kein Abbruch mehr mitten in der Arbeit
Wer Claude Code im Pro- oder Max-Tarif nutzt, kennt das Fünf-Stunden-Limit. Bisher hat Claude beim Erreichen des Limits sofort aufgehört, manchmal mitten in einer Änderung. Dann lag das Projekt halb umgebaut da. Das Team gibt selbst zu, dass das nicht die beste Erfahrung war.
Jetzt gibt es die Wrap-up Allowance: Claude bekommt ein kleines, festes Kontingent aus deinem Wochenlimit und versucht damit, die laufende Aufgabe noch zu Ende zu bringen.
Wie oft das greift, hängt vom Tarif ab:
- Pro: einmal pro Woche
- Max und Team Premium: jedes Mal, wenn du das Fünf-Stunden-Limit erreichst
Wichtig: Das Kontingent geht von deinem Wochenlimit ab. Geschenkt ist es also nicht, aber es ist deutlich besser als ein halb fertiger Umbau. Details stehen in der Ankündigung zur Wrap-up Allowance.
Opus 5.5 und Sonnet 5.5: schneller und günstiger
Zwei neue Modelle sind dazugekommen.
Opus 5.5 ist das neue Standardmodell. Laut Anthropic liegt es bei den meisten Aufgaben ungefähr auf dem Niveau von Fable 5.1, ist über 30 % schneller als Opus 5 und kostet 40 % weniger. Spürbar im Alltag: kürzere Antworten, deutlich weniger typische KI-Floskeln und Gedankenstriche, und es hält sich enger an das, worum du tatsächlich gebeten hast.
Sonnet 5.5 ist über 30 % schneller als Sonnet 5 und braucht pro Aufgabe deutlich weniger Tokens. Es eignet sich für klar umrissene Aufgaben, zum Beispiel einen Fehler, dessen Ursache du schon nachstellen kannst. Umschalten kannst du mit /model sonnet.
Faustregel: Opus für alles, was Nachdenken und Überblick braucht. Sonnet, wenn die Aufgabe klar ist und es vor allem schnell gehen soll.
Was sonst noch neu ist
- Höhere Limits und ein einmaliger Reset. Das Fünf-Stunden-Limit ist um 20 % gestiegen. Dazu hat jeder in Pro, Max und Team einen kompletten Reset bekommen. Falls du ihn noch nicht genutzt hast: Er wartet unter Einstellungen > Nutzung und gilt bis zum 22. Oktober.
- Cloud-Sitzungen sind aus der Testphase raus. Sie gehören ohne Aufpreis zu deinem Tarif. Bestehende Pro- und Max-Abonnenten konnten sich zusätzlich ein einmaliges Startguthaben von 100 bzw. 250 US-Dollar sichern. Die Frist dafür ist allerdings am 7. Oktober abgelaufen.
- Eigene Plugins im Claude-Verzeichnis veröffentlichen. Über ein neues Entwicklerportal verbindest du dein Repository, verfolgst die Prüfung und bestimmst, wann dein Plugin live geht. Es erreicht dann alle, die Claude nutzen, nicht nur Claude Code.
- AGENTS.md wird gelesen. Hat dein Projekt eine
AGENTS.md, aber keineCLAUDE.md, nimmt Claude Code sie jetzt als Projektanweisung (ab 2.1.277). Beide gleichzeitig laden kannst du unter/config. - Skills und Plugins aus claude.ai landen im Terminal. Bist du im Terminal mit deinem claude.ai-Konto angemeldet, laden die dort aktivierten Skills und Plugins jetzt auch lokal (ab 2.1.275). Abschalten lässt sich das in den Einstellungen.
- Senden bricht laufende Arbeit nicht mehr ab. Mit Strg+Enter schickst du wartende Nachrichten sofort los. Was gerade noch läuft, etwa ein langer Testlauf, wandert in den Hintergrund, statt abgebrochen zu werden.
Drei Tipps, die du direkt nutzen kannst
1. Deine Anweisungen gegen die neuen Modelle prüfen
Neue Modelle reagieren anders auf Anweisungen. Was für ein älteres Modell nötig war, kann jetzt überflüssig oder sogar hinderlich sein. Seit Version 2.1.283 gibt es dafür einen eigenen Befehl:
/checkup prompt-audit (alternativ /doctor prompt-audit)
Der Befehl liest deine CLAUDE.md-Dateien, Skills, Agents und eigenen Befehle. Er markiert Anweisungen, die für ältere Modelle geschrieben wurden, tote Pfade und Regeln, die sich widersprechen. Geändert wird nichts ohne dein Okay: Die Befunde landen in einem Bericht, die Änderungen in einer separaten Patch-Datei.
Wer wie ich viel mit eigenen Anweisungen und Skills arbeitet, sollte das nach jedem Modellwechsel einmal laufen lassen.
2. „You should know“ einschalten
Mit Version 2.1.287 kam ein eingebauter Mod namens „You should know“. Ein kleiner Nebenagent liest mit, während Claude arbeitet, und meldet sich, wenn ihm etwas auffällt, das einer von euch beiden übersehen haben könnte.
Einschalten kannst du ihn mit:
/plugin enable cc-plugin-you-should-know@builtin
Nebenbei ist er ein gutes Anschauungsbeispiel, wenn du selbst einen Mod bauen willst.
3. Offene Punkte einzeln abarbeiten lassen
Ein Tipp von Doug Safreno, Entwickler bei Anthropic: Statt nach einer langen Sitzung zu fragen „Was ist noch offen?“ und 15 vage Punkte zurückzubekommen, bittet er Claude, ihm einen offenen Punkt nach dem anderen zu geben, grob nach Priorität sortiert. Jeder Punkt kommt mit dem nötigen Kontext und endet mit einer Entweder-oder-Frage. So kommt er schnell durch die Liste.
Das funktioniert übrigens nicht nur in Claude Code, sondern in jedem KI-Chat.
Mein Fazit
Die Mods sind die spannendste Neuerung. Sie machen aus Claude Code ein Werkzeug, das du an deine eigene Arbeitsweise anpassen kannst, ohne selbst zu programmieren. Die Wrap-up Allowance löst ein ganz praktisches Ärgernis. Und Opus 5.5 ist schneller, günstiger und hält sich besser an das, was du willst.
Kurz: Wer Claude Code schon nutzt, sollte jetzt aktualisieren und einmal den Prompt-Audit laufen lassen. Wer es noch nicht nutzt, muss deshalb nicht sofort umsteigen. Für viele Aufgaben im Büroalltag reicht die normale Claude-App völlig aus.
Den vollständigen Überblick über alle Änderungen findest du im offiziellen Changelog.
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Häufig gestellte Fragen
Die wichtigsten Fragen zu den Neuerungen in Claude Code, kurz beantwortet.